Der Bio-Obsthof Glocker von Nikolaus, Manuela und Jonas Glocker in Horgenzell am Bodensee ist von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer mit dem Bundespreis Ökologischer Landbau 2026 ausgezeichnet worden. Der Minister überreichte der Familie die Auszeichnung auf der Grünen Woche in Berlin. Im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau werden jedes Jahr drei Bio-Betriebe für besondere Betriebskonzepte und weitergehende Leistungen für den Ökolandbau und die Region ausgezeichnet. Der Preis ist mit 12.500 Euro für jeden Betrieb dotiert.
Vorbeugender Pflanzenschutz in allen Bereichen
Die Auszeichnung erhielt der Betrieb für den Aufbau einer besonders nachhaltigen Obsterzeugung, insbesondere bei Äpfeln. Seit 25 Jahren arbeitet Betriebsleiter Nikolaus Glocker ökologisch und hat in dieser Zeit alle Anbaubereiche im Sinne eines vorbeugenden Pflanzenschutzes optimiert. Dabei ist er immer offen für neue Ansätze und leistet in vielen Bereichen echte Pionierarbeit.
Gesunder Boden als Basis
Pflanzenschutz beginnt auf dem Obsthof mit einem gesunden, lebendigen Boden. Das Bodenleben wird gezielt unterstützt. Dafür erzeugt der Betrieb auf seinen Flächen eigenes Mulchmaterial aus Luzerne und Kleegras. Der Mulch wird standardmäßig in den Obstbaumreihen ausgebracht, wo der den Boden beschattet und zusätzlich Nährstoffe sowie organisches Material für die Bodenorganismen liefert.
Enorme Artenvielfalt durch Blühstreifen
Nikolaus Glocker setzt auf seinen Obstbauflächen zudem konsequent auf Insekten- und Blühstreifen. Das sorgt für eine enorme Artenvielfalt. So zählten Forschende der Universität Hohenheim in einem Forschungsprojekt in Glockers Anlagen insgesamt 278 Insektenarten. Das sind rund 50 Prozent mehr als in normal gemulchten Kontrollparzellen. Zusammen mit den gesunden Böden trägt diese Vielfalt entscheidend dazu bei, Schaderreger in Schach zu halten.
Ressourcenschonendes Wassermanagement
Um die Obstbäume auch in Trockenphasen bewässern zu können, hat der Betrieb ein nachhaltiges Konzept für das Wassermanagement entwickelt. In einem unversiegelten Speicherteich wird dafür Regenwasser gesammelt, das bei Bedarf über ein Bewässerungssystem auf den Flächen verteilt werden kann. Die benötigten Mengen erfassen Sensoren. Die Anlage wird mit Solarenergie betrieben und ist maximal ressourcenschonend. Der naturnahe Speicherteich ist darüber hinaus ein perfektes Biotop für verschiedenste Amphibien, Vögel und Insekten.
Weniger Pflanzenschutz dank robuster Sorten
Bei der Sortenwahl setzt Glocker konsequent auf Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. 80 Prozent der Bäume sind inzwischen sogenannte schorfwiderstandsfähige Sorten (Schowis). Sie sind robust gegenüber Apfelschorf und erlauben es, weniger zugelassene Pflanzenschutzmittel wie Kupferpräparate einzusetzen. Um die Akzeptanz des Handels gegenüber Schowi-Sorten zu erhöhen, hat Glocker mit der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. (FÖKO) das Dachmarkenkonzept „Biostars“ erarbeitet. Das erleichtert auch anderen Bio-Betrieben die Vermarktung.
Putzmaschine macht Äpfel vermarktungsfähig
Der Obsthof Glocker ist zudem eingebunden in viele Forschungsprojekte. Als Vorsitzender des Versuchsbeirates im Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee gestaltet Nikolaus Glocker seit über zwölf Jahren auch aktiv Projekte mit. Dabei wurde unter anderem eine Putzmaschine für Früchte entwickelt, die mit der Regenfleckenkrankheit befallen sind. Die Maschine kann die Schale befallener Äpfel soweit reinigen, dass große Teile einer Charge wieder vermarktungsfähig sind.
Lob von der Jury
Die Jury sieht den Obsthof Glocker als Leuchtturmbetrieb für die Branche. Dabei verweist sie auf die vielen technischen und ökologischen Lösungen und lobte die große Bereitschaft der Betriebsleiterfamilie, das erarbeitete Wissen an andere Betriebe weiterzugeben.