Felix Miller

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Physalis und Melonen aus Oberschwaben

Text und Bilder von Tobias Rehm

Aprikosen, Nektarinen, Physalis, Melonen: Was nach Früchten aus südlichen Anbauländern klingt, gedeiht auch in Oberschwaben. Zumindest auf dem Biohof Miller in Badhaus bei Steinhausen/Rottum, wo Felix Miller seit einigen Jahren neben regionalen Klassikern auch exotische Kulturen anbaut. Die Vielfalt ist dabei ebenso groß wie seine Experimentierfreude. „Ich probiere einfach gerne neue Dinge aus“, sagt der 28-Jährige.

Der Anbau von Obst und Gemüse hat Felix Miller schon immer interessiert. Regionales Obst und Gemüse in guter Bioqualität – dafür konnte er sich bereits in jungen Jahren begeistern. Den elterlichen Milchviehbetrieb zu übernehmen, war für den studierten Agrarwissenschaftler keine Option. Stattdessen reifte während des Studiums der Gedanke, sich an einer erweiterten Selbstversorgung für die Familie zu versuchen.

So begann Felix Miller nach dem Studium im Frühjahr 2020 mit dem Anbau erster Kulturen, gemäß seinem Selbstverständnis ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Er startete mit zwei Folientunneln und einem Freiland-Acker, probierte sich neben klassischem Obst und Gemüse an Pfirsichen, Aprikosen und Trauben. „Ich wollte so viel wie möglich anbauen und testen.“ Schnell bekam er nicht nur ein Gefühl dafür, welche Sorten hier in der Region wachsen, sondern auch die Gewissheit, für sich das Richtige gefunden zu haben.  

Ende 2020 begann die Vermarktung auf dem heimischen Hof. Die Überzeugung von der Qualität der eigenen Produkte war da – aber gleichfalls eine Portion Ungewissheit. „Natürlich hatte ich immer wieder mal Zweifel, ob das alles funktioniert“, blickt der Landwirt zurück. Doch die ersten Kunden fanden schnell den Weg ins beschauliche Badhaus, oft ungläubig darüber, was in Oberschwaben alles angebaut werden kann. „Viele waren positiv überrascht, was alles möglich ist.“ Es sprach sich herum, dass auf dem Biohof mehr als Gurken, Tomaten und Kopfsalat wächst. Im Jahr darauf hatte der Hofladen regelmäßige Öffnungszeiten, parallel wurde der erste Bioladen beliefert. Ein weiterer Meilenstein.

Nach und nach baute Felix Miller neue Kulturen an, neue Folientunnel und Gewächshäuser kamen hinzu. Er probierte weitere Sorten, erlitt Rückschläge, erzielte Erfolge. Kiwis gediehen nicht wie erhofft, Kirschen hingegen besser als erwartet. Nektarinen und Aprikosen vom Biohof Miller sind mittlerweile ebenso so selbstverständlich wie Physalis und Melonen. Bei den beiden Letztgenannten, sagt Felix Miller, sei er besonders stolz, wie gut der Anbau funktioniere. Die Vermarktung baute er mit der Belieferung weiterer Bioläden aus. Seit vergangenem Jahr ist der Biohof mittwochs auf dem Biberacher Wochenmarkt vertreten.   

Als Profiteur des Klimawandels sieht sich der Landwirt im Übrigen nicht. Er geht davon aus, dass der Anbau exotischer Früchte früher noch besser funktioniert hätte. „Die Wetterextreme nehmen zu, wir haben keinen konstanten Winter mehr.“ Er erklärt dies am Beispiel von Aprikosen, die im Folientunnel problemlos zweistellige Minusgrade aushielten. „Was sie nicht gut aushalten, ist Schnee Anfang Dezember und 18 Grad an Weihnachten.“ 
Mit der Herstellung gefriergetrockneter Früchte erschloss sich der Familienbetrieb vor zwei Jahren ein weiteres Standbein. Ausgangspunkt war der Wunsch, Obst in seiner ursprünglichen Form zu konservieren. Ohne Zusatz von Zucker, ohne den Verlust von Vitaminen. Beim Gefriertrocken wird den gefrorenen Früchten nach und nach das Wasser entzogen, dabei behalten sie Struktur, Vitamine und Aromen. „Ich war von Anfang an begeistert“, sagt der Obst- und Gemüsebauer. Auch hier galt: probieren, testen, versuchen. „Nicht jede Frucht ist für dieses Verfahren geeignet.“ Dazu gehören Trauben. Sie finden den Weg aber trotzdem in den Gefriertrockner – als eine von mehreren Zutaten eines Fruchtpürees in Sternform, das es in 20 verschiedenen Sorten gibt. Auch erste Versuche mit gefriergetrockneten Kräutern und Gemüsesorten hat Felix Miller bereits gemacht.

In seinen Folientunneln experimentiert er gerade wieder mit Exotischem: Chinesische Dattel, Brasilianische Guave, Feige, Maulbeere, Granatäpfel. Mit Einzelpflanzen findet Felix Miller heraus, was er eines Tages möglicherweise in größerem Umfang anbauen will. „Ich bin selbst immer gespannt, ob es funktioniert.“ Am Ende seiner Experimentierphase sieht er sich noch lange nicht, die Lust aufs Ausprobieren treibt ihn nach wie vor an. „Exotische Kulturen faszinieren mich einfach.“