Beim „HofGespräch – Politik trifft Hof“ am 6. Mai 2026 auf dem Biohof Fleck in Aichstetten trafen sich rund 40 Teilnehmende aus Gemeinderäten, Kreistag, Landtag, Berufs- und Interessensverbänden sowie lokale Landwirt/innen zu einem besonderen Austausch bei einem Vesper im Stall bei den Kühen. Eingeladen hatte die Bio-Musterregion Ravensburg; moderiert wurde der Abend von Martin Weiß aus der Lenkungsgruppe der Bio-Musterregion. Gastgeber des Abends waren Herbert Fleck und seine Partnerin Michaela Weber, die den Biohof gemeinsam bewirtschaften und zusammen mit drei weiteren Generationen auf dem Hof wohnen. Begleitet wurde die Veranstaltung von ErnteZeit, dem neuen Kanal für regionales Bio, die die Stimmung im Nachgang medial auf den sozialen Medien teilen und die Geschichte des Abends erzählen werden.
Die Veranstaltung begann mit einer Hofführung, die Einblicke in die landwirtschaftliche Praxis gab und bereits einige wichtige Themen aufzeigte. Herbert Fleck führte die Teilnehmenden dabei mit viel Witz und Charme über seinen Betrieb und berichtete authentisch zu seinem Alltag. Momentan hält er 55 Milchkühe und bewirtschaftet 80 ha Land. 1999 hat er auf Bio umgestellt, ist aber wie er selbst sagt „erst mit den Jahren zum Bio-Bauer geworden“, heute wirtschaftet er nach den Demeter-Richtlinien. Insbesondere der Förderung der Biodiversität hat er sich verschrieben und setzt sich mit viel Herzblut für den Erhalt der Artenvielfalt auf seinem Betrieb ein. „Ich weiß nicht, ob euch klar ist, wie wichtig die Biodiversität für uns ist. Sie ist das Immunsystem der Erde, ohne sie wird die Erde krank.“, so Fleck. Das kam an, so sagte Anna Wiech, Mitglied des neuen Landtags für Bündnis 90 / Die Grünen, am Ende des Abends: „Was ich mitnehme: Wir müssen mehr auf die Biodiversität achten und die Kreisläufe. Die Biodiversitätskrise müssen wir politisch wieder mehr in den Fokus bringen.“
Die Kälber zieht Herbert Fleck kuhgebunden auf, die Milch wird in einer eigenen Hofmolkerei zu pasteurisierter Milch und verschiedenen Joghurtsorten verarbeitet und in der Umgebung mit einem eigenen Lieferservice ausgefahren. „Und auch für die Fleischvermarktung insbesondere der Kälber, die nicht zur Nachzucht genutzt werden, haben wir zusammen mit einigen Kollegen in der Umgebung Verantwortung übernommen und die Initiative „Tischgenossen“ gegründet“, erzählte Herbert Fleck. So schließen sich auf dem Betrieb viele Kreisläufe und es wird ein sehr ganzheitlicher Ansatz verfolgt.
Nach der Hofführung folgte der besondere Höhepunkt der Veranstaltung: ein gemeinsames Vesper aus hofeigenen und lokalen Bio-Produkten, das in ungezwungener Atmosphäre auf dem Futtertisch im Stall, neben den fressenden Kühen eingenommen wurde. Eröffnet wurde das Vesper spontan mit dem Lied „Im Kreis geht’s weiter“, gesungen von Dominik Blöchl. Das Lied entstand inspiriert durch ein Zitat von Herbert Fleck, das er bei Dreharbeiten zu einer der ersten Mini-Dokumentationen finanziert von der Bio-Musterregion für den Kanal ErnteZeit fallen ließ: „Wenn I a Gras wär, I glaub des Schönschte für mi wär von ra Kuah gfressa zom werra.“ („Wenn ich ein Gras wäre, ich glaube das Schönste wäre es für mich von einer Kuh gefressen zu werden.“)
Während des Vespers fand unter den Teilnehmenden ein lebhafter Austausch über das Gehörte statt. Einige zentrale Themen griff Martin Weiß kurz vor dem Ende des HofGesprächs nochmals in einer moderierten Runde auf: Weidehaltung und Biodiversität aber auch die Hürden des Weidens, Belieferung von Gastronomiebetrieben und Großküchen mit Bio-Produkten aus der Region, Nachwuchssicherung in Land- und Lebensmittelwirtschaft und die Herausforderung regionale Handwerksbetriebe in der Lebensmittelverarbeitung zu erhalten, Finanzierung von Gemeinwohlleistungen, die die Landwirtschaft erbringt, sowie die aktuelle Debatte um die Deregulierung Neuer Gentechnik und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher.
Zum Abschied erhielten alle Teilnehmenden von Flecks ein Gläschen eigenen Naturjoghurt, mit dem Hinweis von Herbert: „damit ihr euch morgen beim Frühstück nicht nur wegen dem Kuhgschmäckle an euren Klamotten an heute Abend zurückerinnert. Nemmets mit und tragets weiter! (Nehmt es mit und tragt es weiter!)“
Und das wird sicherlich der ein oder andere tun. Antje Rommelspacher, Mitglied des Landtags für die CDU zog am Ende des Abends folgendes Fazit: „Der Abend war für mich super interessant. Ich habe ganz viele neue Eindrücke, aber auch viele neue Infos über den Beruf und über Ökolandwirtschaft überhaupt erhalten. Da nehme ich viel mit von heute Abend.“ Und auch Franz Schönberger, Vorsitzender des Bauernverbands Allgäu-Oberschwaben und Mitglied der Lenkungsgruppe der Bio-Musterregion zog ein positives Resümee: „Ich fand den Abend total spannend und habe mich auch mit Personen unterhalten, mit denen ich sonst nicht so in Kontakt komme. Das sind wirklich gute Gespräche gewesen, aus denen auch ich etwas mitnehme und ich hoffe, das ist jedem so gegangen.“
Gastgeberin Michaela Weber empfand den Abend ebenfalls als Erfolg: „Schön war´s! Mich freut das, wenn so viele Leute auf den Hof kommen. Und wenn dann noch alle mit Freude und Interesse dabei sind, ist das für uns der größte Lohn.“