Der Sitzungssaal der Aussenstelle des Landratsamts Rems-Murr-Kreis in Backnang war voll besetzt mit Streuobstwiesenbewirtschaftende, die Interesse an einer Erzeugergemeinschaft für Streuobst haben.
Am vergangenen Dienstag haben rund 110 Streuobstwiesenbewirtschafterinnen und -bewirtschafter sowie Interessierte aus der Region den Saal im Landratsamt Rems‑Murr‑Kreis, Außenstelle Backnang, gefüllt. Der Grund: ein gemeinsamer Schritt hin zu einer stärkeren Verbundstruktur im Streuobstbau. Die Lenkungsgruppe zur Gründung einer Erzeugergemeinschaft (EZG) für Streuobst hat an diesem Abend das Konzept für einen regionalen Zusammenschluss erstmals breit vorgestellt und mit den Anwesenden intensiv diskutiert. Die Veranstaltung wurde durch die drei koordinierenden Partner im Projekt – das Schwäbische Mostviertel, die Bio‑Musterregion Rems‑Murr‑Ostalb sowie die Kreisobstbauberatung des Landratsamts Rems‑Murr‑Kreis – organisiert und stieß bei den Teilnehmenden auf deutlich spürbares und konstruktives Interesse.
Ziele: Höhere Preise und Bio-Sammelzertifizierung
Im Zentrum der Veranstaltung stand die Präsentation des Arbeits‑ und Konzeptpapiers, das die Lenkungsgruppe in den vergangenen Monaten gemeinsam aus zahlreichen Fachgesprächen, Workshops und einer Lehrfahrt nach Unterfranken erarbeitet hatte. Die Kernaufgaben der geplanten Erzeugergemeinschaft wurden klar benannt: Neben der Bündelung der Mostobstmengen soll vor allem die mögliche Organisation einer Bio‑Zertifizierung in Form einer Sammelzertifizierung im Fokus stehen. Ziel ist es, höhere und stabilere Mostobstpreise über mehrere Jahre hinweg zu erreichen, die Abstimmung mit den Annahmestellen zu verbessern und die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen insgesamt wieder wirtschaftlich attraktiver zu gestalten. Über eine Erzeugergemeinschaft könnte Mostobst aus ökologischer als auch aus konventioneller Erzeugung vermarktet werden. Denkbar wäre auch die zentrale Beschaffung von Streuobstbäumen zur Nachpflanzung.
Die Teilnehmenden nutzten den Abend vor allem, um Fragen zu Rechtsform, Mitgliedschaft, Verantwortungsbereichen und Fördermöglichkeiten zu klären, wobei deutlich wurde, dass viele Streuobstwiesenbewirtschafterinnen und -bewirtschafter das Potenzial der EZG erkennen und sich vorstellen können, sich zukünftig aktiv einzubringen. Neben einem konstruktiven Dialog entstand auch ein deutliches kollektives Interesse daran, die gemeinsame Initiative weiterzutragen. Die Lenkungsgruppe berichtete von der intensiven Zusammenarbeit mit dem Genossenschaftsverband Baden‑Württemberg, der die Wegbereitung für eine tragfähige Rechtsform und Organisation beratend begleitet. Am Ende des Abends zeichnet sich ein klares Bild ab: Die Idee einer Erzeugergemeinschaft für Streuobst im Rems‑Murr‑Kreis stößt auf breiten, zielführenden Zuspruch.
Viel Zuspruch und Interesse
Die rund 110 Teilnehmenden haben mit ihrem Erscheinen und ihrer aktiven Beteiligung deutlich gemacht, dass sie bereit sind, gemeinsam an einem nachhaltigen Modell zu arbeiten, das wirtschaftliche Perspektiven schafft und gleichzeitig die einzigartige Kulturlandschaft der Streuobstwiesen in der Backnanger Bucht sichert. Die genaue Gebietskulisse der möglichen Erzeugergemeinschaft steht noch nicht abschließend fest. Derzeit geht man davon aus, dass sich diese über die Stadt Backnang und die angrenzenden Gemeinden und Städte erstreckt. Die Lenkungsgruppe betont, dass die Informationsveranstaltung kein Schlusspunkt, sondern ein Auftakt ist. Die nächsten Schritte werden nun in enger Abstimmung mit den Interessierten und den beteiligten Institutionen vorbereitet.