kLasSE Fleisch – für mehr Tierwohl bei der Schlachtung 

Eine Initiative der Bio-Musterregion Neckar-Odenwald

Zu einer artgerechten Tierhaltung gehört auch eine möglichst stressfreie Schlachtung, kLasSE Fleisch ermöglicht die Schlachtung direkt am Hof und kann den Stress der Tiere erheblich reduzieren.

Viele Landwirtinnen und Landwirte möchten ihre Tiere nicht nur möglichst artgerecht halten, sondern sie auch bis zu ihrer Schlachtung verantwortungsbewusst begleiten. Damit das Schlachten im Herkunftsbetrieb gängige Praxis werden kann, hat unsere Bio-Musterregion Neckar-Odenwald das Projekt „kLasSE Fleisch“ gestartet. KLasSE Fleisch steht für: kein Lebend-Tiertransport, aus stressfreier Schlachtung, Extraqualität.

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Üblicherweise sind Haltungsbetrieb und Schlachtbetrieb nämlich nicht identisch und die Tiere müssen oft lange Transportwege zum Schlachthof auf sich nehmen. Zumeist ist es die erste Fahrt in einem Anhänger in ihrem Leben. Im Schlachthof müssen die Tiere dann getrennt von ihrem vertrauten Umfeld und Herdenverband vor der Schlachtung warten, bis sie in die Tötungsfalle kommen. Damit dieser unnötige Stress vermieden wird, haben auf Initiative unserer Bio-Musterregion sieben Landwirtinnen und Landwirte eine GbR gegründet und zusammen eine mobile Schlachteinheit angeschafft. Die gleichnamige Gesellschaft „klasse Fleisch“ ist dem Maschinenring Odenwald-Bauland e.V. angegliedert.


In diesen Betrieben leben die Rinder in Herdenverbänden, zum Teil das ganze Jahr über, auf der Weide. Die Landwirtinnen und Landwirte haben ihre Tiere von Geburt an begleitet und es ist ihnen eine Herzensangelegenheit, dass die Tiere bei der Schlachtung nicht unter Angst und Stress leiden. Deshalb erfolgt die Tötung im gewohnten Umfeld auf dem Betrieb. Der Vorgang wird ordnungsgemäß von einem amtlichen Tierarzt überwacht und dokumentiert. Erst im Anschluss wird das Tier zur Weiterverarbeitung mit der mobilen Schlachteinheit zu einem Schlachthaus mit EU-Zulassung gebracht. Alles erfolgt innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Zeitspanne. 

Nach intensiver Planungsphase und vielen Vorbereitungen wird die bestellte mobile Schlachteinheit am 22. Dezember 2022 an die sieben beteiligten Betriebe übergeben und es können bald, in enger Abstimmung mit der Veterinärbehörde, die ersten Schlachtungen im Haltungsbetrieb vorgenommen werden.

 „Das Projekt ermöglicht außerdem mehr Schlachtungen in der Region und somit auch mehr regionale Verarbeitung und Vermarktung. Die Bio-Musterregion Neckar-Odenwald unterstützt dabei gerne den Aufbau von neuen Wertschöpfungsketten“, so Regionalmanagerin Ruth Weniger.

 „Das kann aber nur ein Anfang sein und ich hoffe, dass wir zukünftig noch viele Betriebe für das Projekt gewinnen können“, ergänzt Bernhard Knörzer, Mitglied im Beirat der Bio-Musterregion, der sich maßgeblich an der Umsetzung des Projekts beteiligt hat. Der Bürgermeister von Neunkirchen sieht außerdem Chancen für den regionalen Handel: „Die herausragende Fleischqualität kann für die Metzgereien in der Region, die noch selbst produzieren, durchaus ein Alleinstellungsmerkmal sein.“

Abseits vom dem Gedanken des Tierschutzes und der Förderung regionaler Strukturen, hat die Schlachtung im Herkunftsbetrieb auch Einfluss auf die Fleischqualität. Die Ausschüttung von Stresshormonen hat nämlich negative Auswirkungen auf die Fleischreifung. Prämortalen Stress zu vermeiden ist also entscheidend für die Prozess- und Fleischqualität. Wer sich beim Einkauf für dieses Fleisch entscheidet, setzt nicht nur ein Statement für mehr Tierwohl, sondern kauft auch Fleisch in Extraqualität. 

Betriebe oder Metzgereien aus dem Neckar-Odenwald-Kreis, die Interesse an dem Projekt kLasSe Fleisch haben, können gerne auf uns zu kommen. 

Link zum Projektflyer

In diesen Betrieben gibt es auf Vorbestellung kLasSE Fleisch. Bestellungen sind entweder per E-Mail oder Telefon möglich.

Biolandhof Kaiser, Am Schulhaus 12, 74834 Elztal
Schottische Hochlandrinder
06267 6552
torsten.kaiser2@t-online.de

       
Eberbachhof Fellmann, Eberbacherstraße 1, 74850 Schefflenz-Kleineichholzheim
Limousin & Kreuzungen Limousin Fleckvieh
06293 7831
eberbachhof@web.de


Heinz & Minnegard Nickolaus, Brunnengasse 23, 74834 Elztal-Neckarburken
Galloways
06261 2626 
 heinz.nickolaus@gmx.de


Milchhäusle Dallau, Hauptstraße 4, 74834 Elztal-Dallau
überwiegend Fleckvieh
06261 36409
schiffschaaf@gmail.com


Biohof Berk, Neudenauer Weg 12
Frankenvieh
06292 9288363
info@biohof-berk.de
Link zur Webseite


Waldbachhof, Watterbach 23, 63931 Kirchzell
Fleckvieh, Limousin, Blonde d'Aquitaine
09373 8856
hallo@waldbachhof.de
Link zur Webseite

Kühe auf der Weide. Im Vordergrund: Gefleckte Kuh und zwei Kälber, die in die Kamera schauen.
Kühe auf der Weide. Im Vordergrund: Gefleckte Kuh und zwei Kälber, die in die Kamera schauen.

Nachrichten zum Projekt

  • Schlachten im Herkunftsbetrieb, stressfrei, für mehr Tierwohl — das ist in unserer Region endlich möglich geworden. Eine Landwirtin und sechs Landwirte und haben sich auf Initiative unserer Bio-Musterregion zusammengeschlossen und eine mobile Schlachteinheit angeschafft. Am 22. Dezember 2022 markierte die Übergabe des Anhängers an die Betriebe den offiziellen Projektstart von "kLasSE Fleisch". Sogar Minister Peter Hauk war extra gekommen, um die Veranstaltung zu begleiten.

    Die sieben Landwirte von kLasSE Fleisch mit Gästen

    "Ich verspreche, dass wir heute ein klasse und wirklich spannendes Projekt vorstellen", eröffnete Ruth Weniger, Regionalmanagerin der Bio-Musterregion, die Veranstaltung in Balsbach auf dem Biolandhof Kaiser. Weniger ist auch die Namensgeberin des Projekts "kLasSE Fleisch". kLasSE steht für: kein Lebend-Tiertransport, aus stressfreier Schlachtung, Extraqualität. Die gleichnamige GbR ist dem Maschinenring Odenwald-Bauland angegliedert, der dem Vorhaben schon früh seine Unterstützung zusicherte.

    Im Mai 2020 wurde das Thema "Schlachten im Herkunftsbetrieb" erstmals im Beirat der Bio-Musterregion besprochen und es galt einige Hürden bis zum Projektstart zu überwinden.

    Für die Tiere der teilnehmenden Betriebe ist das ein großer Schritt in Sachen Tierwohl. Vor der Schlachtung werden die Tiere für gewöhnlich aus ihrem vertrauten Umwelt gerissen und auf Anhängern in manchmal weit entfernte Schlachthäuser gebracht. Dort verbringen sie die Zeit bis zu ihrer Tötung in fremder Umgebung. Das kann bei den Tieren Angst und Stress auslösen.

    "Endlich dürfen die Tiere dort sterben, wo sie gelebt haben und mit der Änderung des EU Rechts ist das nun auch fest verankert - das ist eine Revolution", so Lea Trampenau, die Entwicklerin der mobilen Schlachteinheit. Für Trampenau ein Grund zur Freude. Sie war extra aus Lüneburg angereist, um ihren Trampenau Trailer vorzustellen.

    Landrat Achim Brötel lobte "kLasSe Fleisch" ebenfalls: "Das Projekt der Bio-Musterregion ist ein wichtiger Baustein für mehr Fleisch aus regionaler Erzeugung und ebenso ein Beitrag für die Steigerung der Fleischqualität." Denn durch die Vermeidung von prämortalem Stress, werden weniger Stresshormone ausgeschüttet, was förderlich für die Fleischreifung ist. Auf diese Weise würde die Region gestärkt und es entstünden neue Wertschöpfungsketten.

    "Nach 5-jährigen Kampf konnten wir in Brüssel endlich durchsetzen, dass mobile Schlachteinheiten genehmigt werden. Neben dem Vorteil des Tierwohls, kann man den Verbrauchern eigentlich nichts Besseres bieten. Näher und regionaler geht es nicht", so Minister Hauk.

    Jetzt sei nur noch zu hoffen, dass dieses Angebot auch von den Verbraucherinnen und Verbrauchern wahrgenommen wird, mahnte Albert Gramling, Vorsitzender des Bauernverbands Neckar-Odenwald.

    "Wir sind alle Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der wir hinterfragen, welchen Effekt unsere Ernährung auf unsere Umwelt hat. Besonders als Landwirte sollten wir uns diesen Fragen nicht verschließen und bereit sein, neue Wege zu gehen", so Demeter Landwirt Frank Fellmann vom Eberbachhof. Allen teilnehmenden Betrieben geht es vor allem um das Tierwohl.

    Nach den Redebeiträgen und der Vorstellung der mobilen Schlachteinheit sorgte das Team vom Biolandhof Kaiser mit einem Bio-Imbiss für das leibliche Wohl. Passend zur Weihnachtszeit gab es in der festlich geschmückten Scheune Punsch, Lebkuchen und leckere Bockwurst.

    Ob wegen des Tierwohls, der besonderen Qualität, der Regionalität oder allem zusammen - kLasSE Fleisch ist ein Projekt, das dem Zeitgeist entspricht und ein wichtiges Signal setzt für eine nachhaltige regionale Entwicklung. Weitere interessierte Betriebe können sich unserer Bio-Musterregion melden, per E.-Mail unter ruth.weniger@neckar-odenwald-kreis.de oder Telefon 06281/5212-1617.